International 5.5 Metre Class
Charles E. Nicholson entwickelte Ende der 40er Jahre, als Alternative zur International Rule, eine neue Rennformel und baute dann 1949 auf seiner Werft den ersten 5.5er, K-1 "The Deb". Schon im gleichen Jahr beschloss die I.Y.R.U. - die Vorläuferin der ISAF – den Internationalen Status der Klasse, bald gefolgt von dem Beschluss, die 5.5er als Olympiaboot zuzulassen.
Der Olympiastatus, die Eleganz der Boote und die im Vergleich zu den 6ern geringen Bau- und Unterhaltskosten ließen die Klasse rasch weltweit wachsen. So repräsentierten die ursprünglich 5.5mR genannten Boote in einem Zeitraum von über 20 Jahren den Neudeutsch genannten „Top Act“ im Segelsport. Auf den Ergebnislisten finden sich weltweit bekannte Segler, Konstrukteure und Segelmacher, darunter die Namen Ohlson, Hunt, Hood, Elvström, Aisher, Chance, Turner und Fay, um nur einige zu nennen.
Zu den erfolgreichsten Designern in Olympischen Zeiten gehörten Arvid Laurin, Arthur Robb, Bjarne Aas, Henri Copponex, Raymond Hunt, Alfred E. Luders, Britton Chance jr., allen voran aber - mit den mit Abstand meisten erfolgreichen Booten - die Ingeniörsfirman Bröderna Ohlson AB von Carl-Erik und Einar Ohlson aus Schweden. Von den vielen Werften, die sich mit dem Bau von 5.5ern beschäftigt haben, ist dabei die Kungsörs Båtvarv AB von Oscar Schelin als herausragend zu nennen.
Die ersten 5.5er in Deutschland wurden 1952 in Bremen gebaut. Die G-1 "Tom Kyle" für den KYC bei Abeking & Ramussen und die G-2 "Berlin" bei de Dood für einen Eigner vom Wannsee. Da die G-2 nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte, wurde Hans Lubinus nominiert, segelte mit der "Tom Kyle" in Finnland und wurde 9. von 16 Startern.
Für die Olympiade in Melbourne wurden vor Kiel Ausscheidungsregatten gesegelt, die Lubinus mit einem neuen von Arvid Laurin gezeichneten 5.5er, der G-4 "Tilly" gewann. In den Olympischen Regatten landete er dann aber leider nur auf dem 10. und letzten Platz. Auch für Neapel 1960 gab es Ausscheidungsregatten, die Herbert Scholl (NRV) mit G-7 "Bronia" für sich entschied. Er erreichte in Italien den 9. von 19 Plätzen.
1964 gab es das bis dato grösste Anwärterfeld auf ein Olympiaticket. Nach Regatten vor Warnemünde und Travemünde wurde G-12 "Subbnboana" mit Herbert "Biwi" Reich (DTYC), Eckard Wagner und Fritz Kopperschmidt knapp vor der G-13 von Rudolf Harmstorf (NRV) bestes Boot und fuhr in Japan dann auf Platz 5 von 15 Startern. Herbert Scholl gewann 1964 mit G-11 "Bronia" die "Coppa d'Italia". Rudolf Harmstorf wurde 1966 mit G-13 "Sünnschien" vor Kopenhagen Vize-Weltmeister.
Mit Blick auf die Olympiade in Mexico ließ Scholl bei Vator seine neue G-16 "Corona" bauen, das Team um Biwi Reich sprach mit Emil Hepp über seinen bei Willi Lehmann im Bau befindlichen Chance Riss (G-19), aber es wurden zuletzt vom DSV keine Ausscheidungsregatten mehr angesetzt. Rudolf Harmstorf kaufte sich das Weltmeisterboot von 1967, wurde nominiert und segelte bei den Olympischen Spielen 1968 vor Acapulco mit G-17 "Sünnschien" auf Platz 4 von 14 Startern.
Dem 5.5er folgte nach fünf Olympiaden eine Einheitsklassenkonstruktion, der Soling, als neues Olympia 3-Mann Kielboot. Die meisten Eigner blieben beim 5.5er, einige Segler wechselten in den Soling, andere, wie Ted Turner und Robin Aisher, segelten auf den neuen IOR Yachten um den Admirals Cup, der seit den 70ern zum Seglerischen Top-Ereignis wurde.
Die Höhepunkte in der jeweiligen 5.5er Regattasaison sind seitdem die 1961 erstmals ausgerichteten Weltmeisterschaften und die damit verbundene Austragung der Regatten um den vom Finnischen NJK gestifteten Scandinavian Gold Cup. Dazu kamen der Royal Kaag Classic Cup und jüngst der Hankö Evolution Cup. In den Jahren, in denen die Weltmeisterschaften in Übersee stattfinden, werden zusätzlich Europameisterschaften organisiert.
Maßgeblichen Anteil an der weiteren Entwicklung der Klasse in der nacholympischen Zeit haben die Segler der Schweizer Flotte. So initiierte Thomas Sprecher in den 70er Jahren den Bau von 8 Booten, deren Schalen im Vakuumverfahren bei Sommerfeld gebaut wurden. Die neue Bauweise ergab äußerst stabile und leichtgewichtige Rümpfe, die dazu noch günstiger als die der traditionell geplankten Boote waren.
Den Sommerfeld Booten schlossen sich viele formverleimte Boote anderer Werften an. Seit Anfang der 80er Jahre gab es dann, nach einer Erweiterung der Bauvorschriften, die ersten Boote in GFK, die sich ebenso wie die aus Holz gebauten als äußerst langlebig erwiesen haben. Die Boote aus den 70er und 80er Jahren zählen wir heute zur Evolution Kategorie.
Bedingt durch einen bedeutenden Design Fortschritt zu Beginn der 90er Jahre, wurde eine drittte Gruppierung, Modern genannt, geschaffen. Die jüngeren und die aktuellen Konstruktionen sind anspruchsvolle High-Tech Boote mit Carbonmasten, die Rümpfe Holz/Epoxi formverleimt oder in Halbschalen mit Glasfaser/Epoxi gefertigt.
Unabhängig vom gewählten Baumaterial und dem Alter der Boote, sind es aber letztlich die formelbedingte Attraktivität und das resultierende exzellente Segelverhalten der 5.5er, die zusammen mit der langjährigen Verbundenheit der Segler diese Klasse so einzigartig machen.
Die aktivsten 5.5er Flotten kommen heute aus der Schweiz, Norwegen, den Bahamas, Australien, Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien und Österreich. Neue Entwicklungen gibt es in Schweden, den USA, Canada, in Dänemark und auf Curacao.